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17. Dezember 2012

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Die Tiroler sind lustig…

…die Tiroler sind froh, sie verkaufen ihr Bettchen und schlafen auf Stroh. Doch der arglose tiroler Humor hat seine Grenzen dort, wo ihm das Verständnis für Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung abgeht; explizit bei der Tirol Werbung GmbH. Statt den adventischen Versöhnungsgedanken in die Welt zu tragen, (was dem Markenkern des Tourimusportals vielleicht gar nicht schaden würde) versucht man mit einer Abmahnung vom 10. Dezember erneut, das etablierte Wiener Künstler-Duo UBERMORGEN wegen ihres Kunstprojektes Alanohof (eine Seite, die sowohl Bio-Hundefleisch als auch Kanninchen zur Haustierhaltung bewirbt) juristisch unter Druck zu setzen – doch der Angriff gerät zur Posse.

Die Forderung der vertretenden Kanzlei lautet: Die Entfernung des Wortes und Links “Tirol” auf der Website in der Sektion: “Nicht-Sponsoren und Sites, die wir moegen, die aber uns nicht moegen” Fraglich ist hier, ob das Setzen eines Hyperlinks ohne Zustimmung des Rechteinhabers geschehen darf, außer Frage steht dagegen, dass Hyperlinks die konzeptuellen Grundbestandteile des World Wide Webs sind, als solche also notwendig und selbstverständlich zulässig. Begründung der Anwälte: Ihre Mandantin würde durch die Verlinkung in einem negativen Zusammenhang öffentlich dargestellt.

// ANWALTSBRIEF_TIROL_GREITER_PEGGER_KOFLER

// UNTERLASSUNGSERKLAERUNG_TIROL_GREITER_PEGGER_KOFLER

Dieser negative Zusammenhang, in dem sich die Tirol Werbung sieht, heißt bei Ethnologen und Historikern Kynophagie, Hundefleischverzehr – der sich in unserem Kulturkreis in kürzester Zeit zum Tabuthema entwicklet hat, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz keineswegs unübliche war. Das Verhalten der Tirol Werbung und ihr Umgang mit dem Thema bietet allerdings einen guten Blick auf das Kunstwerk, denn es spiegelt die tiefsitzende seelische Spaltung einer übersättigten Konsumgesellschaft wider, die Tiere in Haustiere und Nutztiere unterscheidet.

Einerseits haben wir es nicht mehr nötig, Hund zu essen, stattdessen fressen wir ungehemmt Schweinefleisch, am liebsten Tirolerspeck, der längst aus Holländischer Importware hergestellt wird, weil die Nachfrage viel zu groß ist, um sie noch mit Tiroler Schweinen befriedigen zu können. (Landwirtschaft spielt in der Touristenregion nur noch die Rolle der Landschaftspflege.) Andererseits quält uns das Wissen um Massentierhaltung und Tierversuche, das schlechte Gewissen; kompensieren wir das NACHHALTIG mit BIO, scheinheiligen Tierschutzgesetzen und einer völlig übertriebenen Tierliebe – züchten, füttern und hätscheln unsere pelzigen Mitbewohner gar zu Tode.

Aber steckt nun eigentlich die Tiroler Speck-Lobby hinter den Angriffen, weil sie einen Siegeszug des BIO-Hundes aus Mayerhofen bei Taiwanesischen Touristen fürchtet, oder ist es doch ein verdeckte Rassismus, der hier zum Vorschein kommt, wie ihn Martin Fritz Brumme beschreibt: “Menschen essen Hunde. Sie tun dies zu Hunderttausenden. Und wer behauptet, sie täten es nicht, sieht entweder nur seinen eigenen kleinen Kulturkreis oder spricht den Bewohnern eines großen Teils Chinas und Südostasiens das Menschsein ab. Dass dies tatsächlich nicht selten geschieht, belegt u.a. die Argumentation vom Hundeverzehr als “Kulturschande”, die als eine Art Übersprunghandlung für verdeckten Rassismus gelten kann.”

UBERMORGEN sieht in der juristischen Attacke, “einen einfältigen Angriff auf die Freiheit der Kunst, auf die Meinungsfreiheit und auf den gesunden Menschenverstand. Die Art der Drohung, die Absurdität der Forderung und die totalitaere Gestik a la Americaine (“Casting a Wide Web” und “Overkill”) kratzt und juckt UBERMORGEN wie eine Kolonie fressgieriger Flöhe in der Bettwäsche.” und so reagierte das Duo per Post mit einer eigenen Unterlassungserklärung.

“Zudem untersagen wir der Tirol Werbung GmbH, und deren 100% Gesellschafter “Verein Tirol Werbung” und den Rechtsgehilfen “Greiter Pegger Kofler & Partner” die Website Alanohof.com zu vervielfaeltigen, verwenden, abzuspeichern, auszudrucken, anzuschauen, oder mit jeglichen andern denkbaren und undenkbaren elektronischen oder analogen Methoden zu konsumieren. Sollten wir in unseren Logfiles feststellen, dass gegen unsere ausdrückliche Aufforderung verstoßen wurde, werden wir eine einstweilige Verfügung erwirken und eine Klage einbringen.”  erklärt UBERMORGEN weiter.

Naja, dem Grabbe hätte dieses spöttelnde Ende sicher gefallen, der ganze Akt lässt sich hier noch einmal nachlesen. Und wir sind schon gespannt, wie es nach der Pause weiter geht; Sollte es wirklich eine Gerichtsentscheidung aus Österreich dazu geben, werden wir darüber berichten. Solange gilt, dass es ohne Verknüpfungen kein Web gibt und Zensur versucht, das Medium ad absurdum zu führen.

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3 Responses to Die Tiroler sind lustig…

  1. Das gestörte Verhältnis der Tirol (Ski) Werbung zur Natur wird klar, wenn man sich diese Zahlen anschaut: http://www.nabu.de/nh/101/ski101.htm

  2. Pingback: Die Tirol Werbung serviert kein Hundegulasch | datenschmutz

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