WEAVE 05.10 – Trends erkennen

Doktor Trend & Mister Hype

Die Zukunft neigt dazu, uns zu überraschen. Trendprognosen und Zukunftsforschung sollen das Chaos ordnen. Aber wann ist eine Entwicklung ein relevanter Trend, wann ein kurzlebiger Hype? Philipp Sackl von envis precisely macht sich in der WEAVE 05.2010 so seine Gedanken über die Entstehung von Trends, die Anatomie von Hypes und die Grenzen von Zukunftsmodellen. Hier sein Ein-mal-Eins der Trendforschung sowie interessante Links.

»Trendforschung ist nicht zuletzt die Supervision der Su-pervisionäre: Wir analysieren diejenigen, die Analysen machen. Wir recherchieren diejenigen, die recherchieren. Wir bilden uns aus Meinungen Meinungen und aus Erkenntnissen Er-kennt-nisse«, schreibt der Trendforscher Matthias Horx im Buch »Trends und Trendsurfen«, herausgegeben von Frank Dievernich und Tobias Gößling. Dieser Analyseprozess lässt sich in vier Phasen unterteilen:

1// Sammle Eindrücke!
Gehe mit offenen Augen durch die Welt, analysiere Branchen, verfolge Medienberichte und Entwicklungen – und interpretiere das Ganze. Mit etwas Glück und viel Hartnäckigkeit findest du so die Spur eines neuen Trends.

2// Isoliere ein Phänomen!
Untersuche es mithilfe einer Beweisführung: Auf welche statistischen oder soziologischen Fakten kannst du deine Aussagen stützen? Gibt es Hinweise für den Trend in anderen Schichten, Altersklassen oder Branchen? Sichere anfängliche Vermutungen nach und nach mit Fakten ab.

3// Gleiche eine Erkenntnis ökonomisch ab!
Lässt sich ein Trend in ein Marketingkonzept übersetzen? Funktioniert dieses Konzept nur in einer Branche? Oder ist es allgemeingültig?

4// Gib dem Kind einen Namen!
Der Name muss symbolischen Esprit, eine gewisse Poesie und einen bestimmten Klang in sich vereinen. Er muss einprägsam sein und eine Bandbreite an Aussagen abdecken. Beispiele für gelungene Trendnamen sind: Digital Divide, Silver Surfer, Cocooning oder Simplexity.

Interessante Links zum Thema:

www.gartner.com
Der IT-Analyst Gartner verkauft die Zukunft in Form von Studien und Prognosen. Eines seiner Produkte sticht dabei besonders hervor: der sogenannte Hype Cycle – ein Modell für den Verlauf von Trends, der seit 1995 jedes Jahr veröffentlicht wird.

www.wpp.com/wpp/marketing/marketresearch/international-delphi-study.html
Die Delphi Studie von TNS Infratest

http://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan_theory
Die »Black Swan Theorie« ist im Zusammenhang von Trend-Prognosen insofern interessant, als dass sie uns sagt: Es gibt nichts, was es nicht geben könnte. Sie basiert auf der Entdeckung schwarzer Schwäne im Jahr 1697 (bis dahin glaubte man, es gäbe nur weiße) und bewog den Philosoph Karl Popper zu seiner Theorie von der Falsifikation.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper
Infos über Karl Popper bei Wikipedia.

www.fooledbyrandomness.com/tenprinciples.pdf
Die zehn Prinzipien für einen Schwarzen-Schwan-Test.

www.fooledbyrandomness.com
Website von Nassim Nicholas Taleb. Für den Wall-Street-Analysten und Bestsellerautoren ist der schwarze Schwan ein höchst unerwartetes Ereignis, das großen Einfluss auf die Gesellschaft hat – das sich aber im Nachhinein erklären lässt, als hätte man es erwarten können. Vergleichbare Beispiele sieht er unter anderem im Ersten Weltkrieg, im Internet, im PC oder in den Terroranschlägen des 11. September 2001.

www.shirky.com
Website von Clay Shirky. Er beschreibt in seinem Buch »Here Comes Everybody« ein Modell für den Antrieb menschlichen Handelns (das Hypes zu Trends werden lässt). Demnach tun wir – vereinfacht gesagt – alles, was mehr Nutzen als Kosten verspricht. Wobei unter »Kosten« nicht nur die Zahl auf einem Preisschild zu verstehen ist, sondern auch die investierte Zeit und der Aufwand. Aus diesem Grund ist etwa Twitter so erfolgreich: hier gibt es Selbstverwirklichung zum Schnäppchenpreis…

http://horx.com
Website des Trendforschers Matthias Horx mit vielen Informationen.

www.datum.at/0209/stories/megatrend-matthias
Kritik an Matthias Horx und seinen Methoden.

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Kommentare (einer)

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