ARS ELECTRONICA – Projektschau

Im September 2009 stellte die Tabakfabrik in Linz ihre Produktion ein. Im September 2010 bespielt nun die Ars Electronica das 1930ern erbaute Fabrikgelände. Wer als Kreativer die Zeit nach der Wende in Ost-Berlin oder Leipzig erlebt hat, kann in Nostalgie schwelgen: Auch damals machten sich Künstler in leer stehenden Fabrikhallen breit, um ihre Arbeiten zu präsentieren. Für die WEAVE Redaktion roch das verdammt nach kreativen Spielräumen. Und so war es auch. Treppauf und treppab haben wir Neues entdeckt, die hintersten Hallenwinkel erkundet und mit vielen anwesenden Künstlern gesprochen (die Video-Interview folgen in den nächsten Wochen). Beginnen wir mit dem Thema “Interfaces”…

Unter dem Motto “Playful Interface Culture” gab es eine ganze Reihe experimenteller Schnittstellen zu sehen. Beispielsweise in Sachen Art Games: Mit der Installation “PlayfulNESs” versuchen beispielsweise Mar Caet, Jayme Cochrane und Travis Kirton bekannte Technologien und Computerspiele zu neuen Schnittestellen zu kombinieren: in drei verschiedenen Installation muss man etwa auf Schaumstoffmatten schlagend spielen (PunchOut!!) oder Super Mario via Laufband fort bewegen (Super Mario Treatmill) – Nintendo-Klassiker neu arrangiert…

Bei “Shopping in 1 minute” von Varvara Guljajeva und Mar Canet ist das Interface weniger haptisch-real. Um hier an Bonuspunkte zu kommen muss man – konsumkritischerweise – in einer Minute so viele Barcodes einscannen wie möglich. Das Game “The Mexican Standoff” von Tim Devine und Onur Sönmez separiert Spieler und Inteface dann völlig – oder verinnerlicht die Bedienung des Spiels, je nach dem, wie man es sieht. Denn es erfordert Entspannung: nur wenn das EEG-Headset, das man zum Spielen tragen muss, feststellt, dass man entspannt ist, löst sich ein Schuss auf den Gegner…

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So viel zum Spielen. Doch natürlich hätte unsere Welt viel mehr Schnittstellen zu bieten – wenn wir sie ihr geben würden. Unsere Schuhe könnten beispielsweise twittern, wie Ricardo Nascimento und Tiago Martins dies mit ihren “Rambler” Sneakern vorführen: Jeder Schritt twittert ein “tap” – klar, dass dies als schmunzel-anregende Kritik an einer obsesiven Twitterkultur zu sehen ist.

Ähnlich kritisch könnte man die Installation “Newsleak” von Tim Devine, Jayme Cochrane und Shervon Afshar sehen. Anscheinend aber ist sie eher praktisch gemeint, jedenfalls steht in der Anleitung “Newsleak ist kein Kunstprojekt”. Wie dem auch sei: via rosarote Newsleak-Automaten kann man sich eine Zusammenfassung internationaler, lokaler und internet-kultureller Nachrichten ausdrucken lassen. Praktisch für alle, deren Akku alle ist.

Bei Hugo Camargo und Veronika Pauser steht jedenfalls fest: sie wollen Kunst produzieren. Und zwar generativ-interaktiv auf Mobil-Display-Größe. Und so geht’s: wer eine SMS an “MohrSMS” schickt, erzeugt deren Visualisierung in Echtzeit. Jedes Bild besteht aus 10 SMSen und basiert auf den frühen Werken von Manfred Mohr.

Um “Expanded Interfaces” ging es bei den Arbeiten der Studierenden der Hochschule Darmstadt. Ein ganzes Stockwerk füllten sie mit sensor-basierten Interfaces (wie dem Orbitone basierend auf dem ReacTable und vvvv oder mju:vi), Navigationshilfen für Blinde, Sehbehinderte oder Bewegungsunfähige (siehe www.unterbezahlt.com/easee oder www.sirius-application.net) oder Multitouch-Interfaces (etwa das Küchen- und Kochtool Umami).

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Kommentare (2)

Der Link zur Sirius Computersteuerung für Querschnittsgelähmte lautet http://www.sirius-application.de, nicht “.net” ;)

Stefan added these pithy words on Sep 07 10 at 13:30

Hallo Stefan, oh – sorry. Ändere ich gleich. Danke für den Hinweis.

Ilona added these pithy words on Sep 08 10 at 11:09