Ars Electronica: Was haben wir mit “Repair” zu tun?

“Repair – sind wir noch zu retten” lautete das Motto der diesjährigen Ars Electronica in Linz (www.aec.at). Es gab ein Repair Manifesto sowie allerhand kreative Reparaturmöglichkeiten zu sehen. Doch – so fragte mich ein Besucher, den wir auf der Heimreise trafen: was hat das alles mit uns, unserer Branche & elektronischer Kunst zu tun?

Nun, vielleicht muss man da den Bogen ein bisschen weiter spannen. Auf der Ars selbst gab es beispielsweise Kunstprojekte der platform21 zu sehen (www.platform21.nl): Woolfiller ist ein Set aus Filzwolle, -nadel und Schaumstoffkissen, mit dessen Hilfe man Wollpullis höchst kreativ stopfen kann (www.woolfiller.com). Lotte Dekker zeigte Geschirr, das mittels “kintsugi” – einer japanischen Reparaturmethode – per Gold gekittet wurde (www.lottedekker.nl). Auch der wahrscheinlich bekannte Künstler Jan Vormann, der in allen möglichen Großstädten dieser Welt Schadstellen in Bauwerken mit Hilfe von Lego-Steinen flickt, war anwesend (www.dispatchwork.info).

Es gab auch allerhand (Kunst-)Projekte, bei denen das “Do-it-yourself” im Vordergrund stand. Der Makerbot war zu sehen, ebenso wie ausgefeiltere (dafür aber auch wesentlich teurere) 3D-Printer. Und natürlich gab es an jeder Ecke eine andere Bastelei zu sehen, die sicherlich nicht auf Fertigbauteile aus Saturn oder Mediamarkt zurück griff.

Doch womit sich unsere so innovations- und improvisationsfreudige Branche in der Regel herzlich wenig auseinander setzt ist die Reparatur. Dabei sollte dies gerade bei Dingen des alltäglichen Gebrauchs von Bedeutung sein, die so viele Giftstoffe in sich tragen, wie Computer, Handies und Co. Statt dessen aber meinen wir, uns jede Saison die neueste Version an Gadgets zulegen zu müssen – und müssen es wohl auch, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, ist ja schließlich unser Beruf.

Und dennoch denke ich, dass der zarte Appell der auf der Ars Electronica anwesenden KünstlerInnen – ziemlich getarnt, da er sich in “unverfänglichen” Gebieten mit meist hausfräulichem Hintergrund aufhielt – uns doch wenigsten ein bisschen zum Nachdenken anregen sollte. Und insofern meine ich, dass es auch einer hoffnungslos in sich selbst verliebten Branche gut tut, sich zu öffnen, über den Tellerand zu blicken und sich ein bisschen selbst zu hinterfragen.

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