Interview – Über die Bedeutung von Statistiken bei iPad Apps

Wer heute eine App in Apples App Store stellt, ist blind gegenüber den Nutzungsgewohnheiten seiner User. Daran sollte man auf jeden Fall etwas ändern, meint Audanika-Geschäftsführer Sebastian Dittmann (audanika.com). Er hat vergangenen Sommer zusammen mit Gabriel Gatzschke die iOS App “Soundprism” heraus gebracht und seit dem jede Menge Erfahrung gesammelt. Ein Gespräch über Statistiken

Wie haben Sie SoundPrism zuerst getestet?
Anfangs gab es eine Diplomarbeit, die SoundPrism auf den iPod portieren sollte. In diesem Zusammenhang waren wir auch einen Tag lang in einem Einkaufszentrum und haben die Leute gefragt, was sie darüber denken und wie sie es benutzen. Dann beschlossen wir, doch auf dem iPad rauszu­kommen, und Apple tat uns den Gefallen und lieferte uns Anfang 2010 ein Gerät, sodass wir uns darauf vorbereiten konnten. Dabei haben wir ständig irgendwelche Musiker befragt – und das ist auch heute unser Prinzip: Wir reden viel mit den Leuten.

Wie optimieren Sie heute Ihre App? Verfügen Sie über Statistiken zu Nutzungsgewohnheiten?
Man kriegt Statistiken von Apple, aber die sind sehr limitiert. Wir können daher nicht sagen, wer welches Gerät benutzt. Wir können zwar sagen, wer sich unsere YouTube-Videos anschaut, wer uns auf Twitter folgt und wer auf Facebook unser Fan ist. Aber das reicht nicht aus. Als Entwickler ist man so völlig blind. Man kann nicht eine App bauen, sie in den App Store stellen und damit glücklich sein. Vielmehr muss man seine Statistiken in die Apps einbauen und dann schauen, was die User eigentlich damit machen.

Wie funktioniert Ihr Statistiktool?
Wir haben uns verschiedene Frameworks angeschaut und uns dann für eine eigene Lösung entschieden, da uns das auch aus Datenschutzsicht am sichersten erschien. Dieses Tool kann jeder Nutzer anschalten, und es wird auch sehr rege genutzt. Die Informationen werden anonym übermittelt. So können wir sehen, auf welchem Gerätetyp SoundPrism läuft und welche Funktio­nen die Leute langfristig nutzen. Wenn wir feststellen, dass bestimmte Features fast gar nicht zum Einsatz kommen, dann schauen wir uns an, wa­rum das so ist, ob die vielleicht zu versteckt sind oder ob die Leute sie schlicht nicht brauchen.

Warum ist die Frage der Geräte so wichtig?
Nun, wir haben gerade die Universal-App von SoundPrism releast. Von der Programmierung her ist es ziemlich einfach, eine Universal-App zu erstellen. Von der wirtschaftlichen und konzeptionellen Seite her ist das schwieriger: Welche Grafik und Features soll man einbauen? Denn selbst bei den relativ wenigen Apple-Geräten hat man das Problem, dass man etwa auch die erste iPod-Generation unterstützen muss. Dann gilt es, sich zu entscheiden: Macht man die App langsamer? Verzichtet man auf Features? Apple sagt einem nicht, wie viele der eigenen User iPod-Nutzer sind und ob man wirklich noch für die alten Generationen entwickeln muss.

Und welche Erkenntnisse haben Sie aus Ihrer Statistik gewonnen?
Seit wir das Tool haben, haben 5200 Leute die App-internen Statistiken aktiviert. ­Davon sind 3000 iPad-User, zehn nutzen den iPod und 16 das iPhone der ersten ­Generation. Das ist nicht sehr viel – doch die App daran anzupassen, kostet uns eine bis zwei Wochen.

Also lohnt sich der Aufwand für das Statistik-Tool?
Das können wir noch nicht ganz genau sagen, weil wir es noch nicht so lange haben. Es hat natürlich schon einige Zeit gekostet, eine robuste Version zu implemen­tieren – aber ohne solch ein Tool ist man blind. Und unser Ansatz, den ich auch empfehle, ist: Entwickle das Kleinstmögliche, verbessere das kontinuierlich und lerne dabei immer weiter. Man wird keine perfekte App schreiben können. Und vor allem keine, die nur dumm dasitzt und die die Leute immer nutzen werden. Je besser man seine App anpasst, desto erfolgrei­cher wird sie sein.

Wie wichtig sind die sozialen Medien für das Feedback?
Wir bekommen über Facebook, Twitter und Co auf keinen Fall auch nur annähernd so viel Feedback wie über den Feedback-Button in der App. Außerdem ist die Rückmeldung über diese Kanäle längst nicht so detailliert. Das Feedback im App Store kann man aus unserer Sicht vergessen, weil man nicht weiß, wer die Leute sind und wie man sie kontaktieren kann. Wenn man dort etwa liest, dass sie etwas gerne gefixt haben wollen, kann man nicht einfach schreiben: »Du, das geht nicht, weil das eine Vorgabe von Apple ist.« Das sind eben die Kinderkrankheiten, die in der Plattform stecken und um die sich Apple nicht kümmert.

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